Burgtor Nachbarschaft - Andernacher Nachbarschaften

                                Burgtor-Nachbarschaft

 

Beim Namen Burgtor verbinden sich die Gedanken der Andernacher mit der Burgruine und der mächtigen Stadttorruine in Richtung Nordost. Über die Hochstraße als Lebensader Alt-Andernachs verließ man die Stadt rheinaufwärts an der mächtigen Burg vorbei in Richtung Koblenz. Die Burgtoranlage wurde in der Vergangenheit auch Römerthor oder Coblenzerthor genannt und ist der Namensgeber für diese urkundlich älteste Kernstadtnachbarschaft, die im Jahre 2013 ihr 500- jähriges Bestehen feiert.

 

Zwar halten sich die Andernacher Altstadt-Nachbarschaften alle für älter, doch einen exakten Beleg für ihr Alter hat nur die Burgtor-Nachbarschaft. Eine Baumeisterrechnung von 1513, einsehbar im Landesarchiv in Koblenz, belegt: Beim Bau eines Brunnes für die Nachbarschaft erhielt der Baumeister von der Stadt einen finanziellen Zuschuss.

 

Die Stadtburg der Kölner Erzbischöfe lag ursprünglich außerhalb der umwehrten Stadt und wurde über verschiedene Bauabschnitte erst um 1240 mit einem Doppeltor in die Umwallung der Stadt einbezogen. Damals sprach man in Andernach von der alten Römerstadt und der Neustadt, die beide etwa gleich groß waren. Die Burg war nach außen und innen mit einem breiten Graben geschützt. 

 

An der Burg lag, wiederum mit einem Wassergraben geschützt, das Osttor

(Burgtor), das im Jahre 1494 nochmals eine kräftige bauliche Verstärkung erfuhr. Jetzt hatte Andernach 5 Haupt – und Doppeltore: Kölner Tor, Trierer Tor, Rheintor, Osttor (Burgtor) und das Kirchtor. Zusätzlich konnte man noch viele kleinere Durchlässe, wenn nötig, aus der Stadt hinaus öffnen, z. B. bei den 4 großen Jahrmärkten.

 

Die Andernacher Stadtmauer wurde überragt von 15 Wehrtürmen. Außer auf der Rheinseite lief ein 5 m tiefer und 30 m breiter Wassergraben um die Stadt. Andernach war eine bestens gerüstete Stadt mit eigener Zollstation. 1491- 1495 wurde die Burganlage erweitert mit der Aufstockung des Burgfrieds und dem Bau des Pulverturmes. 1689 wurden Burg und Tor von französischen Truppen in Schutt und Asche gelegt.

 

Mit den Kurkölnischen Burg - und Schlossbewohnern gab es häufig Auseinandersetzungen. Bereits im Jahre 1359 hatten aufgebrachte Andernacher die Burg gestürmt und waren von den Kurkölnischen Herren zur Rechenschaft gezogen worden. Die Vergeltung: Andernach wurde der Zoll entzogen und an die Stadt Linz vergeben. Als man dann aber beim Bau des Pulverturmes feststellte, dass die Schießscharten auch auf die Innenstadt ausgerichtet wurden, da war dann Schluss mit lustig.

 

Dies war ein Vertrauensmissbrauch, unter dem die Bewohner stark litten, und der auch entscheidend war für das Aufbegehren der Menschen gegen die Obrigkeit. Denn die Ziele in jenen Jahren waren die Stärkung der Bürgerrechte in der Handwerker- und Händlerstadt Andernach, Aufbau der Zünfte und ein Mehr an bürgerlicher Mitbestimmung.

             

Dies ist den Andernachern ja auch glänzend mit der Installation des bürgerlichen Achtergremiums (Beratergremium des Rates) gelungen.

 

Aus dem Gebiet der Burgtor-Nachbarschaft sind dann mit der kräftigen östlichen Ausdehnung der Stadt im 19.-Jahrhundert weitere Nachbarschaften entstanden, wie die Landsegnung- und die Drei-Kreuze-Nachbarschaft.

 

Heute läuft das Nachbarschaftsleben der Burgtorer nach einem bestimmten Rhythmus ab: Gelog mit Fidelitas in der Karnevalszeit, ein Familienwandertag im Sommer, das Döppekoocheessen im November und im Dezember eine besinnliche Stunde zur Weihnacht. Die Nachbarschaft führt noch eine Sterbekasse. Seit 2018 ist Paul Kraemer Amtmann der Burgtorer, unterstützt wird er von einem 8-köpfigen Schöffenstuhl. Die Mitgliederzahl liegt bei 120 Personen.

 

Quellen:

 

Chronik der Nachbarschaft

Stefan Weidenbach

Hans Hunder, Darstellungen zur Geschichte unserer Stadt

Peter Adams, 440 Jahre Andernacher Zünfte

Recherchen: Heinz Wessels/ Paul Kraemer


 
 
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