Rheinstraßen Nachbarschaft - Andernacher Nachbarschaften


Nikolääuschen mit Schutzpatron der Nachbarschaft

                          Rheinstraßen-Nachbarschaft

 

Eine recht kleine Altstadtgemeinschaft ist die Rheinstraßen-Nachbarschaft. Ihr Gebiet umfasst die Rheinstraße, Teile der Holzgasse, der Mauerstraße und der Meringstraße. Die Rheinstraße ist mit dem Rheintor (bis ins 19. Jahrhundert Kornpforte genannt) das Ausfalltor zum Rhein, umgekehrt ebenso das Tor zur Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kornpforte saniert und baulich verändert, da die Türhöhe nur noch für Ochs- und Eselskarren ausreichte, siehe dazu auch die beiden Bilder. Über viele Jahrhunderte war die Rheinstraße der Transportweg landwirtschaftlicher Produkte (Korn ) aus dem Andernacher Hinterland ( Pellenz  u. Maifeld) zu den Verladungen am Rhein.

 

Erst mit dem Aufbrechen der Stadtmauern und Tore erschlossen sich neue Wege zum Rhein. Die Rheinstraße verlor an Bedeutung. Welche Geltung diese Handels- und Händlerstr. einmal hatte, beweist u. a. auch die tolle Fassade des alten Münch eschen Hauses im oberen Teil der Straße. An Bedeutung gewann die Straße erst wieder mit dem Beginn des KdF-Fremdenverkehrs in der Mitte der dreißiger Jahre. Für die Nazi-Tourismus-Organisation '' Kraft durch Freude '' (KdF ) war Andernach mit seinen historischen Baudenkmälern, den wundervollen neuen Rhein-Anlagen und den über 500 Fremdenverkehrsbetten, ein idealer Ferienort. Dies war auch der Start für Andernachs Feiermeile '' die Rheinstraße. '' Hier, so hieß es, war immer etwas los.

 

Im Andernacher Stadtmuseum liegt als Leihgabe der Nachbarschaft das Chronikbuch, beginnend 1750. Im Jahresbericht 1949/50 ist festgehalten, dass 2 alte Bücher, die beim damaligen Schriftführer Willi Frisch aus der Rheinstraße lagen, beim Bombenangriff am 27. 12.1944 in den Trümmern verbrannt sind. Ältere Schriften sind also nicht mehr vorhanden.

 

Doch bereits in den 50er bis 70er Jahren pulsierte das Leben wieder in der Rheinstraße. In fast jedem Haus war eine Gastwirtschaft oder ein Tanzlokal. Viele erinnern sich noch an den '' Vater Rhein '', '' den Bolzen '', '' den Schuppen '' oder '' das Rheinschiff. '' Bei Umberto Fogolin, der ersten It. Eisdiele Andernachs gab es bereits Eis für 10 Pfennig. Die Rheinstraße hatte fast den Bekanntheitsgrad der Rüdesheimer Drosselgasse. Aber nur wenig davon ist geblieben.

 

Im Haus Rheinstraße 9 ist ein Bildstock der Hl. Barbara, Schutzpatronin der Nachbarschaft, angebracht. In den großen Pestwellen1666/67 stellte sich jede der 13 Andernacher Nachbarschaften unter den Schutz eines Heiligen. Andernach verlor damals ein Drittel seiner Bevölkerung. Die Toten bestattete man damals am Martinsberg, vor den Toren der Stadt. Auf den Fahnen der Nachbarschaften sind auf einer Seite immer die Schutzheiligen der Nachbarschaft dargestellt.

 

Festzuhalten bleibt noch für die Rheinsträßer, dass ein verheerendes Feuer im Jahre 1973 einige Häuser zerstörte, die aber wieder aufgebaut wurden. Kritisch waren auch immer die vielen Hochwasser, bei denen sich die Nachbarn vorbildlich gegenseitig halfen. Aber seit den 90er Jahren ist die Rheinstraße ohne Leben. Alle Gastronomie-Betriebe sind geschlossen.

 

Die Nachbarschaft hat heute noch 28 Mitglieder, aber nur noch 3 wohnen im Gebiet der Rheinsträßer. Früher kamen zu den Veranstaltungen über 100 Teilnehmer. Es gab Bustouren und Sommerfeste, ebenso das für die Nachbarschaften so charakteristische Döppekooche-Essen, das Gelog mit Fidelitas und Tombola.

 

Dies ist mit einer kleinen Nachbarschaft nicht mehr zu stemmen. Deshalb hat sich die Rheinstraße der Alexander-Genoveva-Nachbarschaft angeschlossen. Die Feste werden nun gemeinsam gefeiert. Aber als funktionierende Gemeinschaft mit eigenem Schöffenstuhl bleibt die Nachbarschaft erhalten. Sepp Versch war Amtmann von 1997 bis zu seinem Tod 2011. Seit dieser Zeit ist Hermann-Josef Retterath Amtmann dieser traditionsreichen Nachbarschaft.

 

Quellen:

Hans Hunder: Darstellungen zur Geschichte derStadt

Josef Ruland, Nachbarschaft in Dorf u. Stadt

Chronik der Rheinstraßen-Nachbarschaft

Recherchen H.-J. Retterath  u. H. Wessels


 
 
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